Afrikawissenschaft trifft Praxis: Symposium im Gedenken an Franz Ansprenger

Im Gedenken an den 2020 verstorbenen Prof. Dr. Franz Ansprenger (Freie Universität Berlin) hat die Deutsche Afrika Stiftung am 6. und 7. September 2021 in Zusammenarbeit mit den „Ansprenger-Schülern“ die Veranstaltung „Afrikawissenschaft trifft Praxis: Symposium im Gedenken an Franz Ansprenger“ ausgerichtet. Die Veranstaltung würdigte Professor Ansprengers einflussreiches Wirken als Nestor der deutschen Afrikaforschung, griff zugleich den aktuellen Stand der politikwissenschaftlichen Beschäftigung mit Afrika auf und diente der Vernetzung von Afrikaforscher*innen mit Praktiker*innen.

Die Veranstaltung wurde eingeleitet durch Grußbotschaften von Dr. Uschi Eid, Präsidentin der Afrika-Stiftung, und Alt-Bundespräsident Dr. Horst Köhler. Prof. Dr. Rainer Tetzlaff (Hamburg) würdigte anschließend den Forscher und Lehrer Franz Ansprenger und arbeitete besonders die Modernität dessen auf Empathie beruhenden Afrika-Bildes heraus. Prof. Dr. Ulf Engel (Leipzig), wie Rainer Tetzlaff Ansprenger-Schüler, nahm in seinem engagierten Vortrag eine kritische Bestandsaufnahme zum Stand und zur Relevanz der sozialwissenschaftlichen Afrika-Forschung vor: „`Afrika´ in der Politikwissenschaft und `Politik´ in den Afrikawissenschaften Deutschlands“. Die Debatte wurde in vier Panels fortgesetzt.

Professor Michael Staack moderierte das Panel „Sicherheit und Entwicklung in der Sahelzone“. Teilnehmer*innen dieses Panels waren Anne-Marie Descotes, Botschafterin Frankreichs in Berlin, Botschafter Christoph Retzlaff, Sonderbeauftragter für die Sahelzone im Auswärtigen Amt, Kristine Döll, bis vor kurzem als Civil Advisor des Auswärtigen Amts für das deutsche Einsatzkontingent MINUSMA in Mali tätig, sowie Marcel Maiga vom Steuerkreis „Fokus Sahel“, dem Kooperationsnetzwerk der in der Sahel-Region engagierten Nichtregierungsorganisationen. 

Das Panel wurde eingeleitet durch einen Impulsvortrag von Prof. Dr. Helmut Asche (Mainz), der unter der Überschrift „`Sahelistan´ – Was wird aus den Sahel-Ländern?“ eine äußerst kritische Zwischenbilanz des internationalen Engagements zog und eine Schwerpunktverlagerung auf die Unterstützung lokaler Akteure forderte. Weitere Themen der Panel-Debatte waren mögliche Konsequenzen der gescheiterten Afghanistan-Intervention für Mali, die Neugewichtung des Verhältnisses von Entwicklung und Sicherheit, die Einschätzung der Reformfähigkeit von Staat und Militär in diesem Land, Perspektiven der Zivilgesellschaft auf dieses Thema, die sehr gemischte Bilanz der militärischen „Ertüchtigung“ sowie die Rolle Frankreichs in der Sahel-Region. Alle Panelist*innen stimmten darin überein, dass ein „Weiter so“ nicht in Frage komme. Über die zukünftige Gestaltung des internationalen Engagements gingen die Meinungen aber in vielen Punkten auseinander. Einigkeit bestand wiederum darin, dass die Sahel- und Westafrika-Politik in der deutschen Außenpolitik einen sehr viel höheren Stellenwert einnehmen und öffentlich viel intensiver debattiert werden müsse.

Zum Tagungsbericht auf der Homepage der Deutschen Afrika-Stiftung

Zur Rede von Alt-Bundespräsident Dr. Horst Köhler