Wir befinden uns seit dem russischen Angriff auf die Ukraine in der außergewöhnlichen Lage, die Entwicklung des nächsten Tages und der nächsten Woche nicht abschätzen zu können. Gleichwohl ist es erforderlich, über das Kriegsgeschehen und die Tagespolitik hinaus den Blick auf denkbare mittelfristige Entwicklungen zu richten, diese zu analysieren und einzuordnen. Einige Stichworte: Ein ständiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen beginnt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg. Eine der beiden größten Atommächte der Welt stellt die Option eines Nuklearkrieges zumindest in den Raum. Für Putins Russland ist Lüge zu einem normalen Instrument der Politik geworden. Die Sicherheits- bzw. Friedensordnung in Europa ist beschädigt oder zerstört – aber hat es eine solche Ordnung je gegeben, war sie unfertig oder was machte sie aus? Leitet der Russland-Ukraine-Konflikt eine Geopolitisierung aller Konflikte weltweit ein? Welche Rolle spielt die von den USA ausgerufene Großmächtekonkurrenz auf dem Weg zu diesem Krieg und für die Entwicklung der internationalen Politik? Agiert China nach seinem Anspruch, „verantwortungsvolle Großmacht“ zu sein? Was bedeutet das alles für Klimaschutz und Rüstungskontrolle als Säulen internationaler Ordnungspolitik, für die Vereinten Nationen und für Deutschland und die EU, für globale Machtverschiebungen? Und nicht zuletzt:
Wird Putins Krieg zu einer weiteren Aufladung des Gewalt- und Konfrontationselements in den internationalen Beziehungen führen?
Erste Annahmen und Analysen aus Wissenschaft, Diplomatie und Politik wurden am 9. März 2022 auf Einladung von Professor Michael Staack im Rahmen einer gutbesuchten Online-Debatte , zur Diskussion gestellt. Am Panel nahmen teil: Dr. Ute Finckh-Krämer, friedenspolitisch engagierte ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete mit Erfahrung aus dem Auswärtigen Ausschuss und dessen Unterausschüssen für Krisenprävention bzw. Abrüstung und Rüstungskontrolle; Rüdiger Lüdeking, fast 40 Jahre deutscher Diplomat, u.a. als stellvertretender Abrüstungsbeauftragter der Bundesregierung und als Botschafter bei der OSZE und bei den Vereinten Nationen am Standort Wien, sowie Prof. Dr. Maximilian Mayer von der Universität Bonn, der vor allem über globale Machtverschiebungen und die internationale Rolle Chinas arbeitet.