Unter diesem Titel sprach Botschafter Frank Hartmann, Leiter des Krisenreaktionszentrums im Auswärtigen Amt und Krisenbeauftragter der Bundesregierung, am 28.05.2019 an der Helmut-Schmidt-Universität auf Einladung von Professor Staack. In seinem detaillierten Vortrag ging Hartmann insbesondere auf verschiedene Krisenformen ein, bei denen das Krisenreaktionszentrum aktiv wird. Diese reichten, so der Gastredner, von politischen und sicherheitsbezogenen Krisen, wie denen in Mali und Venezuela, über medizinische Krisen bis hin zu humanitären Krisen und Entführungen. Immer dann, wenn im Rahmen solcher Krisen die Sicherheit deutscher Staatsangehöriger im Ausland in Gefahr ist, sei das Krisenreaktionszentrum zuständig.
Der 44-köpfige Krisenstab des Krisenreaktionszentrum, so Hartmann, sei, in seiner Zusammensetzung aus Vertretern verschiedener Behörden und Bundesministerien wie dem federführenden Auswärtigen Amt (AA), dem Bundeskriminalamt (BKA), dem Bundesnachrichtendienst (BND), dem Bundeskanzleramt und dem Bundesverteidigungsministerium (BMVg) sowie der Möglichkeit, bei Bedarf auch private Organisationen und internationale Akteure hinzuzuziehen, eine ressortübergreifende und höchst multidisziplinäre Einrichtung.
Im weiteren Verlauf ging der Spitzendiplomat auf verschiedene Aspekte und Maßnahmen der Krisenprognose, der Krisenvorsorge und des Risiko- und Krisenmanagements ein und führte hierfür exemplarisch eine Reihe von Beispielen an. Zur Unterstützung bei diesen Aufgaben setze das AA auch auf Social Media Tools zur Früherkennung von Krisenlagen und zur Kommunikation mit der Zivilgesellschaft in Krisenzeiten, operiere mit einem ausgefeilten Krisenvorsorgeinformationssystem und arbeite ebenfalls an einem Tool zum Management von Evakuierungsszenarien. In der ausführlichen Fragerunde ging es im Anschluss insbesondere um Besonderheiten bei doppelten Staatsbürgerschaften, rechtliche und operative Herausforderungen im Umgang mit Geiselnahmen, die Zusammenarbeit zwischen AA und europäischen Behörden im Bereich des Krisenmanagements, und schließlich auch um die sich deutlich verschlechternde Sicherheitssituation in einigen Ländern Westafrikas sowie die wachsende Rolle Chinas in dieser Region.
Insgesamt lieferte Herr Hartmann ein umfassendes Bild über die Aufgaben, Herausforderungen und Grenzen des Krisenstabes der Bundesregierung und ordnete vor diesem Hintergrund eine Vielzahl von aktuellen internationalen Krisen kenntnisreich ein.
