International Academic Workshop in Dakar (Senegal): “Peace, Development and Cooperation in West Africa – (new) challenges and directions in turbulent times”

Militärcoups in Burkina Faso, Guinea, Mali und im Sommer 2023 auch in Niger; das Streben einiger Präsidenten nach verfassungswidrigen dritten Amtszeiten bei Unterdrückung der Opposition, der Herauswurf Frankreichs und seines neokolonialen Francafrique-Systems aus mehreren Staaten, das Scheitern der Militärmissionen MINUSMA und EUTM Mali, dazu die Auswirkungen der Covid 19-Pandemie und des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – innerhalb weniger Jahre haben alle diese Entwicklungen zusammen die Region Westafrika ernsthaft beeinträchtigt und zugleich die Handlungsfähigkeit der Regionalorganisation ECOWAS destabilisiert. Vor diesem Hintergrund veranstalteten die Professur für Internationale Beziehungen der HSU und das Institut für Theologie und Frieden (mit seinem Direktor, Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven) ihren 6. Internationalen Workshop zur deutschen Westafrika-Politik; diesmal in ausgezeichneter Zusammenarbeit mit dem Centre Paix et Sécurité Subsaharienne der Friedrich-Ebert-Stiftung in Dakar mit dessen Leiter Philipp Goldberg und seinem engagierten Team. Federführend in der Vorbereitung waren Remy Diousse (FES) und Paul Sedzro (HSU).

Die gemeinsame Workshop-Reihe begann im Jahr 2018 und fand bisher, in wechselnder Zusammensetzung, viermal in Berlin und zweimal in Dakar statt. Wesentlichstes Ziel der Veranstaltungen ist es, die deutsche Westafrika-Politik im Austausch mit Expert*innen aus dieser Region wissenschaftlich zu begleiten. An diesem Workshop nahmen Expert*innen aus Burkina Faso, Mali, Niger, Senegal und Deutschland teil. Für die deutschen Expert*innen kam es diesmal noch stärker darauf an, den präzisen Analysen der westafrikanischen Kolleg*innen zuzuhören und diese gemeinsam zu reflektieren. Intensiv und strukturiert konnten so zentrale Themen der regionalen Entwicklung in sechs thematischen Panels debattiert werden.

Zentrale Ergebnisse des Workshops sind: (1) Eine Überwindung der Differenzen in der ECOWAS wird für möglich oder sogar wahrscheinlich gehalten. Die westafrikanische Regionalorganisation sollte daher in ihrer Handlungsfähigkeit gestärkt werden. (2) „Sahel G5“, vor allem von Frankreich als Konkurrenzorganisation promoviert, ist faktisch tot. Weitere Investitionen für die Sahel G5 von Seiten der EU oder Deutschlands verbieten sich daher. (3) Deutschland und die EU müssen ihre Westafrika-Politik gründlich überprüfen und unter Berücksichtigung auch der Zivilgesellschaften neu justieren. Beider Reputation ist durch Entwicklungen der letzten Jahre beschädigt; beide werden aber nach wie vor als Kooperationspartner gewollt und geschätzt. (4) Deutschland und die EU sind gut beraten, nicht weiter eine Politik „doppelter Standards“ zuzulassen. Verfassungsputsche mit pseudolegalen dritten Amtszeiten sind genauso zu verurteilen wie Militärcoups. (5) Das Engagement der Bundeswehr in Mali und Niger ist gescheitert. Mehr wirtschaftliche und Entwicklungszusammenarbeit sollten künftig wichtiger sein als die Entsendung von Soldat*innen – mit der Ausnahme der Ausbildungshilfe.

Der deutsche Verteidigungsattaché, Oberstleutnant Jörg Ludwig, begrüßte alle Workshop-Teilnehmer*innen zu einem abendlichen Empfang. Einige westafrikanische Teilnehmer diskutierten nach dem Workshop mit dem Politischen Direktor des BMVg, Botschafter Dr. Jasper Wieck, der am 2. Oktober 2023 Dakar besuchte. Schon zuvor hatte der deutsche Botschafter, Sönke Siemon, mit Professor Staack über die aktuellen Entwicklungen gesprochen. Am Tag vor dem Workshop besuchten die Teilnehmer*innen die Ile de Gorée, ein Weltkulturerbe. Von dieser vor Dakar gelegenen Insel aus waren Hunderttausende von versklavten Westafrikaner*innen unter den menschenunwürdigsten Bedingungen nach Amerika verschifft worden.

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© Michael Staack
© Michael Staack
© Michael Staack
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