Wird es möglich sein, den Konflikt über das nordkoreanische Nuklearprogramm friedlich zu lösen und eine Annäherung, sogar Normalisierung zwischen den beiden Koreas zu erreichen? Diese Leitfrage wurde im Rahmen der zweitägigen Konferenz Nordkorea-Konflikt: Interessenlagen, Konfliktdimensionen, Lösungswege am 11. und 12. Oktober 2018 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg lebhaft diskutiert. Veranstaltet wurde die Tagung vom Wissenschaftlichen Forum Internationale Sicherheit, das von Professor Michael Staack geleitet wird. Sowohl die international renommierten Referenten als auch die zahlreich anwesenden Südkoreaner trugen sehr zu den intensiven Debatten bei. Die Republik Korea unter Präsident Moon Jae-in, so Generalkonsul Shin Sungchul in seinem Eröffnungsvortrag, setze auf eine grundlegende Umkehr weg von den bisherigen Spannungen an der Schwelle zum Krieg hin zu einer auf Dauer angelegten Politik der Vertrauensbildung und Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd. Dieses Ziel zu erreichen, so ein zentraler Ertrag der Tagung, werde äußerst schwer sein, denn Südkorea ist angewiesen auf zwei schwierige Partner: die Demokratische Volksrepublik Korea, die wirtschaftliche Öffnung anstrebt, aber kaum zu einem völligen Verzicht auf ihre Nuklearwaffen bereit sein wird, und die USA, die eben diesen vollständigen Verzicht als Vorbedingung für eine Normalisierung verlangen. Obwohl sich die Republik Korea mit ihrem Kurs am Vorbild der deutschen Ost- und Entspannungspolitik orientiert, wird in Seoul – so wurde in zahlreichen Beiträgen deutlich – eine nachhaltige Unterstützung durch die Bundesregierung vermisst. Eine gestaltende, den Partner Südkorea unterstützende deutsche Außenpolitik dürfe sich nicht auf Maximalforderungen ohne verhandlungspolitische Flexibilität beschränken, so ein weiteres Ergebnis der Konferenz.
Zum Bericht des NDR in der Sendung Streitkräfte und Strategien
