Die angespannten Beziehungen zwischen der NATO und Russland, der russische Truppenaufmarsch an den Grenzen zur Ukraine sowie die intensiven diplomatischen Gespräche über Auswege aus diesem Konflikt in der zurückliegenden Woche waren Thema der Debatte im RBB Inforadio am 23. Januar 2022. Der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff, der russische Publizist Wladimir Sergijenko, die Moskauer ARD-Korrespondentin Christina Nagel und Professor Michael Staack bewerteten den Beginn dieser Gespräche mit sehr vorsichtigem Optimismus. Es sei notwendig, die Verhandlungen nun in unterschiedlichen Formaten ernsthaft und lösungsorientiert fortzusetzen. Überwiegende Einigkeit bestand darin, dass auch die NATO-Staaten in den letzten zwanzig Jahren viele Fehler in der Russland-Politik gemacht hätten. Während Graf Lambsdorff erklärte, dass ein Beitritt der Ukraine und Georgiens derzeit überhaupt nicht aktuell sei, sprach sich Professor Staack für ein förmliches, zehnjähriges Beitrittsmoratorium gegenüber diesen Staaten aus. Die gemeinsam mit Frankreich und Spanien vertretene Position der Bundesregierung beim NATO-Gipfel 2008 gegen eine Aufnahme der Ukraine und Georgiens sei unverändert richtig, denn beide Anwärter trügen nicht zur Sicherheit der Allianz bei.
Die Runde befasste sich ebenfalls mit den Einlassungen des kurz zuvor entlassenen Marine-Inspekteurs Schönbach über Russland, die Ukraine und China. Graf Lambsdorff bewertete das Verhalten des Vizeadmirals a.D. als „Disziplinlosigkeit“ und die Entlassung als zwangsläufig. Professor Staack fügte hinzu: „Ein Admiral ohne Kurs und Kompass ist ein Sicherheitsrisiko.“ Es müsse geprüft werden, wie eine solche personelle Fehlbesetzung zustande kommen konnte.