Veranstaltung in Loccum: Frieden sichern im Ausland. Ein Beitrag zur strategischen Neujustierung zivil-militärischer Stabilisierungs- und Friedenseinsätze

Am 24./25. Mai 2022 fand in der Evangelischen Akademie in Loccum eine Tagung zur Zukunft der internationalen multilateralen Friedens- und Stabilisierungsmissionen bzw. der zivil-militärischen „Auslandseinsätze“ statt. Im Publikum wie auf den Panels und Podien hatte sich eine sehr interessante Mischung aus Politik, Wissenschaft, Militär, Ministerien, Praxis, Journalismus, Kirche und Friedensbewegung eingefunden, die sich zwei Tage intensiv mit dem Thema auseinandersetzte.

Nach dem dramatischen Ende der über 20 Jahre dauernden Afghanistan-Mission und der Re-Fokussierung des „Westens“ auf die Landes- und Bündnisverteidigung wegen des russischen Krieges gegen die Ukraine wurde diskutiert, wie die Zukunft derartiger Einsätze in Zukunft aussehen kann. Wie groß, wie komplex, wie vernetzt und mit welchen Zielen und Strategien wird die internationale Gemeinschaft die Probleme konfliktgeplagter Länder und Regionen in Zukunft angehen? Der dokumentierte Erfahrungsschatz ist ebenso reich, wie der Forschungsstand und der operative „Instrumentenkasten“. Es gibt auch zahlreiche positive Beispiele von gelungener Friedenssicherung, aber bei den größeren Stabilisierungsoperationen wird die Bilanz schon deutlich schlechter. Viele strategische Fehler scheinen sich dabei zu wiederholen und zahlreiche konzeptionelle Probleme scheinen weiter ungelöst, wie u.a. das Beispiel Mali demonstriert.  

Unter anderem wurde dabei die Frage der Notwendigkeit und der Defizite von „Zieldefinition und Strategieentwicklung“ debattiert. Kai Küstner vom ARD-Hauptstadtstudio und ehemaliger Afghanistan-Korrespondent sowie Dan Krause, wissenschaftlicher Mitarbeiter unserer Professur und ehemaliger Offizier mit Einsätzen im Kosovo gaben hierzu Inputs, die dann zwischen Publikum und Podium diskutiert wurden. Krause betonte, dass Strategien kein Allheilmittel seien, aber allemal besser, als anderen Staaten oder Institutionen ohne eigene Strategie und Ziele aus Bündnissolidarität, bilateraler Verbundenheit oder europäischer Solidarität beinahe blind in unabsehbar lange und folgenreiche Auslandsengagements zu folgen. Eine nationale Sicherheitsstrategie ergäbe heutzutage natürlich nur im Rahmen von VN, EU und NATO Sinn, sie beende aber vielleicht das bisherige “Auf Sicht fahren” mit einem Planungshoriziont von drei bis sechs Monaten und der “Schwarzen Null” als Grundlage deutscher Außen- und Sicherheitspolitik. In den Missionen selbst würden die meisten strategischen Fehler am Anfang begangen, daher müsse eine gute und klare Lageanalyse die Ausgangsbasis sein. Hierzu bedürfe es erheblich mehr Expertise in den Ministerien und Organisationen im Inland und vor allem mehr Personal vor Ort. Die dann definierten Ziele müssten vor allem den Wünschen und Interessen der Menschen und Gesellschaften vor Ort entsprechen sowie regelmäßig überprüft, bewertet und angepasst werden. Neben Konsequenzen müssten auch Alternativen geplant bzw. in Szenarios mitgedacht werden. Auch ein Scheitern müsse eingeplant werden und insgesamt eine Exitstrategie existieren.  

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