Die Konstellation und Entwicklung auf der koreanischen Halbinsel stand im Mittelpunkt des zum zweiten Mal stattfindenden „Europe Korea Peace Forum“, ausgerichtet am 3. und 4. Juli 2023 vom Institut für Koreastudien der Freien Universität Berlin und vom Sejong Institute in Seoul. In mehreren Panels diskutierten Korea- und Ostasien-Expert*innen aus zahlreichen Ländern Europas und aus der Republik Korea über das aktuelle Verhältnis von Süd- und Nordkorea, die neue Politik der seit 2022 amtierenden südkoreanischen Regierung und die Rahmenbedingungen für diesen Konflikt in regionaler und globaler Perspektive. Besondere Bedeutung kam dem Umgang mit der Konfrontation USA-China, der sicherheitspolitischen Entwicklung in der Großregion Indo-Pazifik und dem Einfluss des Russland-Ukraine-Krieges auf diese Region zu. Sehr kritisch hinterfragt wurden problematische Narrative wie „Autokratie versus Demokratie“.
Professor Michael Staack beteiligte sich mit einem Beitrag am Panel 2: „Seeking Peaceful Coexistence through Conflict Resolution: Historical Lessons from Europe´s Experience”. Dabei analysierte er anhand von Dokumenten aus den 1970er Jahren das Bemühen der Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion, ihrer Macht-, System- und Rüstungskonkurrenz durch Vereinbarung von Grundsätzen und Verfahren einen konfliktkanalisierenden Rahmen zu geben. Die entsprechenden historischen Erfahrungen seien im institutionellen Gedächtnis außenpolitischer Entscheidungsträger*innen heute entweder kaum oder gar nicht präsent, obwohl ihre Kenntnis außerordentlich nützlich sei für ein derzeit nicht stattfindendes Management der von den USA unter Trump ausgerufenen „Großmächtekonkurrenz“. Paradigmatisch verwies er auf die wechselseitige Respektierung von grundlegenden oder Kerninteressen und Vereinbarungen zur Rüstungskontrolle im Sinne einer „kooperativen Rüstungssteuerung“. Nur durch eine Zügelung der Großmächtespannungen, so Michael Staack, könnten gefährliche Eskalationen verhindert werden. Dieses Ziel liege im informierten strategischen Interesse sowohl Südkoreas als auch der Europäischen Union.
