Durch die von den USA proklamierte „neue Großmächtekonkurrenz“ oder den Aufstieg des Rechtspopulismus in etablierten Demokratien wird die Friedens- und Konfliktforschung mit Herausforderungen konfrontiert, die über längere Zeit eher in den Hintergrund der wissenschaftlichen Forschung gerückt waren. Vor diesem Hintergrund lohnt es, Pionier*innen der Friedensforschung neu zu betrachten und zu fragen, ob und inwiefern ihre Prämissen, Theorien und Erkenntnisse für die Gegenwart nutzbar gemacht werden können. In der nun erschienenen, von Gastherausgeberin Sabine Jaberg betreuten Ausgabe 1-2 (2021) des „Journal of International Peace and Organization“ wird das Werk von zehn solchen Pionier*innen, darunter Elise Boulding, Ernst-Otto Czempiel, Ekkehard Krippendorff und Dieter Senghaas, auf diese Fragen hin untersucht. Ein Ergebnis: Die heutige Friedens- und Konfliktforschung ist spezialisierter und methodisch fortgeschrittener als zur Zeit der „Klassiker*innen“; diese haben jedoch zu grundsätzlichen Fragen wie etwa Friedensbegriff, Friedensursachen oder Friedensstrategien Antworten anzubieten, die sehr gewinnbringend sein können für die aktuelle wissenschaftliche Beschäftigung mit Grundsatzfragen internationaler Ordnungspolitik oder friedensförderlicher Außenpolitik.
