Das Thema NATO-Russland-Beziehungen gehört auf einen vorderen Platz der außenpolitischen Agenda. Einem weiteren Abgleiten in eine immer destruktivere Konfrontation müsse durch eine angemessene Verbindung von Verteidigungsbereitschaft und Dialog entgegengewirkt werden. Diese Auffassung vertrat Brigadegeneral a.D. Reiner Schwalb, von 2011 bis 2018 deutscher Verteidigungsattaché in Moskau, in einer von Professor Michael Staack organisierten Online-Diskussion mit Studierenden der Helmut-Schmidt-Universität am 22. November 2021. In seinem einleitenden Vortrag ging General a.D. Schwalb auf Russlands außen- und sicherheitspolitische Interessen ein, auf sein Selbstverständnis als Großmacht, auf den hohen Stellenwert des Militärs in der russischen Gesellschaft, auf die Entwicklung des Ukraine-Konflikts sowie auf Ansätze zur Einhegung der Konfrontation. Nach Auffassung des langjährigen Verteidigungsattachés findet die deutsche Politik in Russland nach wie vor Gehör. Entscheidend sei generell, unterschiedliche Standpunkte klar, aber nichtöffentlich zu verhandeln. Die NATO-Russland-Grundakte müsse erhalten und Rüstungskontrolle wiederbelebt werden. In der konkreten Konstellation wiederkehrender Spannungen und Intransparenz sei es erforderlich, die Militärkontakte und die Krisenkommunikation zwischen Russland und der NATO mit dem Ziel der Risikoreduzierung wiederaufzunehmen – und zwar mit dem gesamten Bündnis und nicht, wie derzeit, nur mit einzelnen NATO-Staaten.