Gemeinsam mit anderen Mitgliedern seines Teams gehört Professor Staack zu den über 300 Mitgliedern der Helmut-Schmidt-Universität, die sich in einer Protestresolution gegen die Umwandlung der HSU in einen „Umfassenden Militärischen Sicherheitsbereich“ (MSB) aussprechen. Eine entsprechende Weisung erfolgte Ende März 2021 durch die Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung und wurde mit allgemeinen Sicherheitsgefahren begründet. Die Protestresolution gegen diese Entscheidung wurde an die amtierende Ministerin Kramp-Karrenbauer adressiert. Die Gremien der HSU, insbesondere der Akademische Senat, haben sich ebenfalls mit Beschlüssen gegen den MSB ausgesprochen. Zahlreiche Medien wie NDR, Hamburger Abendblatt oder Frankfurter Allgemeine Zeitung berichteten.
Die Umwandlung der HSU zu einem „MSB“ würde den Charakter der Universität fundamental verändern. Der Zugang zum Universitätscampus wäre damit grundsätzlich untersagt; vielfältige Formen des wissenschaftlichen Austausches würden deutlich erschwert und ein Schusswaffengebrauch auf dem Gelände wäre nach dem „Gesetz über unmittelbaren Zwang“ grundsätzlich möglich. Die Freiheitslogik der Universität würde ersetzt durch die Erlaubnislogik eines Sicherheitsbereichs, dessen Gestaltung jederzeit durch Weisung des BMVg verändert werden kann.
Die Ausgestaltung des Universitätscharakters und insbesondere des offenen Zugangs, voll vergleichbar mit anderen Universitäten, war bereits bei der Konzeption der damaligen Hochschule der Bundeswehr Anfang der 1970er Jahre diskutiert worden. Die damit beauftragte Kommission, benannt nach dem Gründungspräsidenten, Professor Thomas Ellwein, hatte sich seinerzeit allerdings ausdrücklich für uneingeschränkte Offenheit und Öffentlichkeit sowie ungehinderten Zugang entschieden. Dies geschah zu einer Zeit, als der Terrorismus der „Roten Armee Fraktion“ seinen Höhepunkt erreichte. Auch nach den Terroranschlägen des 11. September 2001, immerhin in Hamburg mitgeplant, wurde diese Grundsatzentscheidung nicht in Frage gestellt. Helmut Schmidt, als damaliger Bundesminister der Verteidigung (1969-1972) Verfechter der Gründungsidee, hat den offenen Charakter der 2003 nach ihm benannten Universität zeitlebens befürwortet und, darüber hinaus, vor einer Abschottung der Streitkräfte gegenüber der Gesellschaft gewarnt.
Professor Staack hat vielfältig über die Politik Helmut Schmidts, das Konzept der Inneren Führung und Bundeswehrreformen geforscht.
Die Offenheit der HSU zu bewahren dient nicht nur der weiteren Vernetzung der Universität in der nationalen und internationalen Forscher*innengemeinde, sondern auch ihrer Anerkennung als relevantem Forschungsstandort. Die HSU als öffentlich zugänglichen Ort ohne Zugangsbeschränkungen zu erhalten, dient schließlich auch der Verankerung der Bundeswehr als Streitkräfte einer freiheitlichen und demokratischen Ordnung in der Mitte der Gesellschaft. Deshalb streben die Unterzeichner*innen der Protestresolution an, die Entscheidung zur Umwandlung der HSU in einen umfassenden „MSB“ rückgängig zu machen.
Interview von Professor Michael Staack zur Debatte über die offene Universität
Rede von Professor Staack bei der Gedenkveranstaltung der HSU für Helmut Schmidt (2015)